Seit dem 1. Oktober 2026 eröffnet das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Österreich völlig neue Wege für Photovoltaik-Besitzer:innen: Mit dem neuen Peer-to-Peer-Modell (kurz: P2P-Modell) kann selbst produzierter Strom nun direkt an Familie, Nachbarn oder Freunde verkauft oder sogar verschenkt werden. Die Klima- und Energie-Modellregion (KEM) Schmidatal unterstützt Bürgerinnen und Bürger mit kostenlosen Beratungen bei der Anmeldung und Umsetzung von P2P-Modellen.
Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, kennt das Problem: Oft wird tagsüber mehr Strom produziert, als der eigene Haushalt verbraucht. Bisher blieb meist nur der Verkauf des Überschussstroms an die ÖMAG, einen Energieversorger oder an die (lokale oder regionale) Energiegemeinschaft. Das neue P2P-Modell ändert das grundlegend und eröffnet Haushalten mit und ohne eigene PV-Anlage neue Chancen, bei der Stromrechnung zu sparen und den produzierten Sonnenstrom „unter die Leute zu bringen“.
So funktioniert das Peer-to-Peer-Modell
P2P-Verträge ermöglichen den direkten, vertraglich geregelten Stromaustausch zwischen Erzeuger:innen und Verbraucher:innen. Das Besondere daran: Im Gegensatz zu einer klassischen Energiegemeinschaft muss dafür keine eigene juristische Person (wie bspw. ein Verein oder eine Genossenschaft) gegründet werden. Der Strom kann entweder zu einem individuell vereinbarten Preis verkauft oder völlig unentgeltlich verschenkt werden.
Wichtig für die Praxis: Der Strom fließt natürlich nicht über ein eigens verlegtes Kabel vom Dach der PV-Anlage zum Nachbarn, sondern weiterhin über das öffentliche Stromnetz, weshalb auch Netzgebühren anfallen. Die Zuordnung der geteilten Strommenge erfolgt rein rechnerisch. Ein aktiver Stromliefer- bzw. Stromabnahmevertrag mit einem Energieversorger bleibt daher für alle Beteiligten auch zwingend notwendig, um die Stromversorgung an sonnenarmen Tagen sicherzustellen respektive die Einspeisung des Überschussstroms ins öffentliche Netz zu gewährleisten.
P2P oder Energiegemeinschaft – was ist besser?
Die beiden Modelle schließen einander nicht aus, eignen sich aber für unterschiedliche Zwecke. Die Faustregel lautet:
- 2 bis 4 Zählpunkte (Stromzähler): Für das Stromteilen im engsten Kreis – mit nur einer Erzeugungsanlage (wie bspw. einer PV-Anlage) – ist das P2P-Modell die absolute Empfehlung. Es ist flexibel in der Vertragsgestaltung und kommt ohne Rechtsform aus.
- Ab 5 Zählpunkten: Sobald sich mehrere Haushalte (und Zählpunkte) zusammenschließen oder mehrere Erzeugungsanlagen im Spiel sind, sollte aus verrechnungstechnischen Gründen eine klassische Energiegemeinschaft gegründet werden.
Beide Modelle können auch miteinander kombiniert werden: Ein Zählpunkt kann gleichzeitig an bis zu fünf verschiedenen Bürgerenergie-Modellen beteiligt sein.
Wichtige Voraussetzungen und aktuelle Einschränkungen
Damit die Abrechnung funktioniert, ist ein Smart Meter mit aktivierten Viertelstundenwerten (Opt-in) bei allen Beteiligten zwingende Voraussetzung.
Achtung beim Start: Aktuell müssen alle beteiligten Zählpunkte in der P2P-Gemeinschaft beim selben Netzbetreiber (z. B. Netz NÖ) liegen. Eine netzübergreifende Umsetzung ist erst ab April 2027 geplant. Auch bei den Netzkosten gibt es eine Übergangsphase: Während Teilnehmer:innen in Erneuerbaren Energiegemeinschaften bereits heute von reduzierten Netzentgelten profitieren, greifen diese Vergünstigungen für P2P-Modelle nach derzeitigem Stand erst ab dem 1. Jänner 2027.
Neu: Die standortübergreifende Eigenversorgung
Das ElWG bringt noch einen weiteren Bonus: Wer eine PV-Anlage auf einem Wohnsitz hat, kann den Strom künftig auch an einen weiteren eigenen Wohnsitz oder ein anderes eigenes Gebäude weitergeben (Eigenversorgungsanlage). So kann der eigene Solarstrom exakt dort genutzt werden, wo er gerade gebraucht wird.
Kostenlose Unterstützung durch die KEM Schmidatal
Aller Anfang ist schwer, besonders wenn es um das Aufsetzen der Musterverträge und die technische Anmeldung über das Kundenportal des Netzbetreibers geht. Deshalb erweitert die KEM Schmidatal für alle Bürgerinnen und Bürger ihr Beratungs- und Unterstützungsprogramm.
KEM-Manager Markus Pröglhöf unterstreicht den regionalen Mehrwert: „Das Peer-to-Peer-Modell eröffnet gerade für kleine und private Stromgemeinschaften eine spannende neue Möglichkeit. Wer beispielsweise innerhalb der Familie oder mit wenigen Nachbarn den selbst erzeugten Solarstrom teilen möchte, kann dies nun vergleichsweise einfach vertraglich regeln, ohne gleich eine eigene Energiegemeinschaft gründen zu müssen. Wir wollen, dass der Einstieg in die moderne Energienutzung für unsere Bürgerinnen und Bürger so unkompliziert wie möglich ist. Egal ob P2P, klassische Energiegemeinschaft oder Eigenversorgungsanlage – wer seinen Strom im kleinen Kreis teilen möchte, kann sich jederzeit für eine kostenlose Beratung bei uns melden. Wir helfen gerne bei der Anmeldung und Umsetzung!“
Egal ob Strom verschenkt, zu einem individuell vereinbarten Preis weitergegeben oder innerhalb der Familie geteilt wird: Peer-to-Peer schafft neue Möglichkeiten, regional erzeugte erneuerbare Energie möglichst direkt zu nutzen. Gerade im privaten Bereich kann das eine interessante Ergänzung zu bestehenden Energiegemeinschaften darstellen. Wer wissen möchte, ob P2P für den eigenen Haushalt, die Familie oder eine kleine Gruppe von Abnehmer:innen geeignet ist, kann sich an die KEM-Region wenden und das kostenlose Beratungsangebot in Anspruch nehmen.