Die KEM Schmidatal-Manhartsberg konnte noch im Dezember 2025 eine umfassende Mobilitätsstrategie für die ganze Region vorlegen – der Fokus liegt hierbei auf dem öffentlichen Verkehr, der aktiven und motorisierten Mobilität für alle Generationen!
Die Klima- und Energiemodellregion (KEM) Schmidatal-Manhartsberg hat eine gemeindeübergreifende Mobilitätsstrategie präsentiert. Ziel ist es, das regionale Verkehrssystem langfristig zukunftsfähig, klimaverträglich und alltagstauglich zu gestalten – und damit die Lebensqualität in den sechs Gemeinden Heldenberg, Hohenwarth-Mühlbach am Manhartsberg, Sitzendorf an der Schmida, Ravelsbach, Maissau und Ziersdorf nachhaltig zu stärken.
Die Mobilitätsstrategie bildet erstmals eine umfassende strategische Grundlage für die Weiterentwicklung der Mobilität im Schmidatal und orientiert sich an den Klima- und Mobilitätszielen der Europäischen Union, des Bundes sowie des Landes Niederösterreich. Im Mittelpunkt steht ein integrierter, multimodaler Ansatz, der Fuß- und Radverkehr, öffentlichen Verkehr, flexible Mobilitätsangebote und den motorisierten Individualverkehr sinnvoll miteinander verknüpft.
Große Herausforderungen – großer Handlungsbedarf
Die Analyse der Ausgangslage zeigt deutlich: Das Schmidatal ist eine klassische Auspendlerregion. Rund 80 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten außerhalb der Region, vor allem in Wien und den umliegenden Ballungszentren. Entsprechend hoch ist die Abhängigkeit vom Auto – der Motorisierungsgrad liegt bei rund 700 PKW pro 1.000 Einwohner:innen. Gleichzeitig nimmt das Verkehrsaufkommen auf den Hauptverkehrsachsen, insbesondere entlang der B4 und B2, seit Jahren deutlich zu.
Auch demografische Entwicklungen stellen neue Anforderungen an das Mobilitätssystem: Die Bevölkerung wird älter, während der Bedarf an leistbaren, barrierefreien und flexiblen Mobilitätsangeboten steigt. „Mobilität ist im ländlichen Raum ein zentraler Schlüssel für soziale Teilhabe, wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz. Genau hier setzt die neue Mobilitätsstrategie an“, betont KEM-Manager Markus Pröglhöf.
Öffentlicher Verkehr als Rückgrat der Mobilität
Eine zentrale Rolle spielt der öffentliche Verkehr. Die Franz-Josefs-Bahn mit den Bahnhöfen Limberg-Maissau und Ziersdorf ist für viele Pendler:innen das Rückgrat der täglichen Mobilität. Die Züge sind zu Spitzenzeiten stark ausgelastet, Park-&-Ride-Anlagen werden intensiv genutzt. Ergänzend dazu sorgen Busverbindungen für die regionale Erschließung, insbesondere für Schüler:innen.
Die Mobilitätsstrategie zeigt jedoch auch Schwachstellen auf, die es zu beheben gilt: fehlende Direktverbindungen, teilweise eingeschränkte Taktungen und eine unzureichende innerregionale Vernetzung. Als zentrale Zukunftsmaßnahme wird daher der Ausbau und die bessere Abstimmung des öffentlichen Verkehrs genannt – insbesondere durch flexible Mikro-ÖV-Systeme wie das landesweite Programm „VOR-Flex“, das auch im Schmidatal umgesetzt werden soll.
Mehr Sicherheit und Qualität für Fuß- und Radverkehr
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der aktiven Mobilität. Die vergangenen Jahre haben bereits wichtige Fortschritte im Radverkehr gebracht: Über 280 Kilometer beschilderte Radwege, mehrere neu errichtete Alltags- und Verbindungsradwege sowie Servicestationen bilden eine gute Basis – sowohl für den Alltag als auch für den Tourismus.
Gleichzeitig zeigen Bürger:innen-Befragungen auch noch klaren Handlungsbedarf: Sichere Radverbindungen zu Bahnhöfen, Schulen und Ortszentren fehlen vielfach, ebenso durchgängige Gehwege und sichere Querungen. Der Fußverkehr wurde bislang kaum systematisch betrachtet. Künftig sollen daher sichere Schulwege, barrierefreie Gehwege, Verkehrsberuhigung in Ortskernen sowie Begegnungszonen stärker in den Fokus rücken.
E-Mobilität und Ladeinfrastruktur als Zukunftsthema
Ein zentrales Ergebnis betrifft auch die Elektromobilität. Die Region gilt derzeit als stark unterversorgt mit öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur. Ein konkreter Ausbauplan sieht jedoch vor, die Ladeleistung bis 2030 mehr als zu versechsfachen – insbesondere entlang der Hauptverkehrsachsen, bei Bahnhöfen, Park-&-Ride-Anlagen und zentralen Einrichtungen.
Auch die Umstellung kommunaler Fuhrparks sowie die Förderung klimafreundlicher Fahrzeuge im privaten Bereich sind Teil der langfristigen Strategie. Ziel ist es, den Anteil emissionsfreier Fahrzeuge schrittweise deutlich zu erhöhen.
Was die Bevölkerung erwartet
Die im Rahmen der Mobilitätsstrategie durchgeführte Umfrage bestätigt die Analyse: Das Auto ist für viele Menschen derzeit unverzichtbar – gleichzeitig besteht eine hohe Bereitschaft, auf alternative Mobilitätsangebote umzusteigen, wenn diese zuverlässig, sicher und gut erreichbar sind. Besonders wichtig sind der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, sichere Wege für Kinder und ältere Menschen sowie eine bessere Information über bestehende Angebote.
Klare Prioritäten für die nächsten Jahre
Aus den Ergebnissen leitet die Region eine klare Prioritätenliste ab. Kurzfristig stehen die Umsetzung von Mikro-ÖV-Systemen, Verbesserungen im öffentlichen Verkehr, sichere Schulwege und Bewusstseinsbildung im Vordergrund. Mittelfristig folgen der Ausbau von Rad- und Ladeinfrastruktur sowie Verkehrsberuhigungsmaßnahmen. Langfristig soll ein vernetztes, multimodales Mobilitätssystem etabliert werden, das Mobilität, Raumordnung, Energie und Tourismus zusammendenkt.
Mobilität als Standortfaktor
„Ein vielfältiges, leistbares und klimafreundliches Mobilitätsangebot ist ein entscheidender Standortfaktor für unsere Region“, heißt es in der Mobilitätsstrategie. Es trägt dazu bei, das Schmidatal als attraktiven Wohn-, Arbeits- und Tourismusraum weiterzuentwickeln und gleichzeitig einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
Mit der neuen Mobilitätsstrategie liegt nun erstmals eine fundierte Entscheidungsgrundlage vor, die in den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt und weiterentwickelt werden soll – in enger Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Land Niederösterreich, Verkehrsverbünden und der Bevölkerung.
Umfrageauswertung
Es wurde auch eine Umfrage unter allen Gemeinderäten und Gemeinderätinnen durchgeführt. Die Ergebnisse der Umfrage stellen wir hiermit auch gerne zur Verfügung.